Blog-Artikel

von M.Sc.Psych. Tugce Demircan

ADHS bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Erkennen, verstehen und gezielt helfen

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Autorin: M.Sc.Psych. Tugce Demircan

Tugce Demircan, Master of Science Psychology, ist eine erfahrene approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie ist im Fachzentrum für Psychotherapie Düsseldorf in der Privatpraxis von Dipl.-Psych. Matthias Potreck fest angestellt und hilft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahren.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Immer mehr Eltern stehen vor der Frage, ob hinter den Verhaltensauffälligkeiten ihres Kindes mehr steckt als eine „Phase“. Die Sorgen beginnen oft harmlos: Das Kind kann sich nicht konzentrieren, vergisst Hausaufgaben, redet ununterbrochen oder eckt in der Schule an. Doch wenn diese Muster den Alltag dauerhaft belasten, entsteht der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – kurz: ADHS.

Doch was ist ADHS bei Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen eigentlich genau? Wie unterscheidet es sich von normalen Konzentrationsproblemen? Und wie erkennen Eltern, ob es sich bei ihrem Kind um eine behandlungsbedürftige Störung handelt? Unsere approbierten Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in unseren Fachzentren für Psychotherapie in Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen kennen die Antworten, aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung beim Thema ADHS bei Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

2. Wann sollten Eltern an ADHS denken?

Bestimmte Verhaltensmuster geben Hinweise darauf, dass mehr dahinterstecken könnte:

  • Das Kind kann sich selbst bei interessanten Themen nicht lange konzentrieren
  • Es unterbricht ständig andere, redet ohne Punkt und Komma oder handelt unüberlegt
  • Es fällt in der Schule durch Stören, Aufstehen, Zwischenrufe oder motorische Unruhe auf
  • Hausaufgaben geraten regelmäßig zum Kampf
  • Trotz guter Intelligenz bleiben schulische Leistungen deutlich hinter den Erwartungen zurück
  • Wutausbrüche oder soziale Konflikte häufen sich
  • Lehrer:innen äußern wiederholt Auffälligkeiten im Verhalten

Wenn sich solche Muster über Monate hinweg zeigen und sowohl zu Hause als auch im Kindergarten oder in der Schule sichtbar sind, sollte eine differenzierte psychologische Abklärung erfolgen.

3. Wie äußert sich ADHS bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Die Symptome von ADHS verändern sich mit dem Alter – und sind von Kind zu Kind verschieden.

Im Kindesalter (Vorschule und Grundschule):

  • Stark ausgeprägte körperliche Unruhe: Zappeln, Rennen, Klettern
  • Schwierigkeiten, Spielregeln einzuhalten oder sich auf eine Sache zu fokussieren
  • Häufige Impulsdurchbrüche („Ich wollte das nicht, es ist einfach passiert“)
  • Erhöhte Ablenkbarkeit und rasche Themenwechsel

Im Jugendalter:

  • Weniger motorische Unruhe, dafür innere Anspannung oder Getriebenheit („Ich fühle mich ständig unter Strom“)
  • Schwierigkeiten in der Selbstorganisation (vergessene Hausaufgaben, chaotischer Tagesablauf)
  • Konflikte mit Autoritätspersonen, emotionale Instabilität
  • Häufiges Erleben von Versagen, Selbstzweifel, beginnende Rückzugsverhalten

Im jungen Erwachsenenalter:

  • Anhaltende Aufmerksamkeitsprobleme, häufig wechselnde Interessen
  • Schwierigkeiten in Studium oder Ausbildung (Fristversäumnisse, Prüfungsangst)
  • Geringe Belastbarkeit im Berufsalltag
  • Erhöhtes Risiko für komorbide psychische Störungen wie Depression, Angst oder Substanzmissbrauch

4. Was ist der Unterschied zwischen ADHS und Hyperfokus?

Viele Eltern sind irritiert, wenn sie erleben, dass ihr Kind mit ADHS sich stundenlang in ein Computerspiel, eine Bastelarbeit oder ein Spezialinteresse vertiefen kann – obwohl es im Alltag kaum gelingt, sich zehn Minuten auf Hausaufgaben oder eine Erzählung zu konzentrieren. Dieser scheinbare Widerspruch wirft die Frage auf: Wie kann jemand, der angeblich unter Aufmerksamkeitsdefiziten leidet, gleichzeitig so fokussiert und ausdauernd sein?

Die Antwort liegt in einem Phänomen, das im Zusammenhang mit ADHS häufig auftritt, aber dennoch wenig bekannt ist: dem sogenannten Hyperfokus.

4.1 Hyperfokus – intensive Aufmerksamkeit auf einzelne Reize

Beim Hyperfokus handelt es sich um eine Art Tunnelaufmerksamkeit, bei der das Kind extrem stark in eine Tätigkeit eintaucht und dabei Zeit, Umgebung und sogar körperliche Bedürfnisse (z. B. Hunger, Müdigkeit) ausblendet. Es ist, als sei alles andere ausgeblendet – was zunächst paradox erscheint, wenn man an ADHS als Konzentrationsstörung denkt.

Doch genau hier liegt der Unterschied: ADHS ist keine Schwäche der Aufmerksamkeit, sondern vielmehr eine Störung der Aufmerksamkeitssteuerung. Das bedeutet, betroffene Kinder haben nicht generell zu wenig Aufmerksamkeit, sondern können sie oft nicht gezielt, situationsangemessen und flexibel einsetzen.

Während neurotypische Kinder ihre Aufmerksamkeit bewusst steuern – je nach Kontext und Anforderungen –, sind Kinder mit ADHS oft dem stärksten Reiz ausgeliefert. Ist ein Thema hochinteressant, visuell stimulierend oder emotional fesselnd, „saugt“ es die gesamte Aufmerksamkeit auf. Sobald die Aktivität jedoch weniger anregend oder fremdbestimmt ist, bricht die Konzentration abrupt ab – unabhängig davon, wie wichtig die Aufgabe ist.

4.2 Was bedeutet das für den Alltag?

Der Hyperfokus kann bei bestimmten Tätigkeiten zu beeindruckender Ausdauer und Kreativität führen. Gleichzeitig kann er aber auch zu Problemen führen, wenn das Kind sich schwer regulieren kann – etwa bei Bildschirmmedien oder fixierten Interessen. Vor allem bei schulischen Anforderungen, die wenig intrinsische Motivation auslösen, kommt es dann zu den typischen Konzentrationsabbrüchen, Ablenkungen oder Vermeidungsstrategien.

Wichtig ist daher, dass Eltern und Lehrer:innen nicht nur das „Problemverhalten“ sehen, sondern auch erkennen, wo das Kind seine Aufmerksamkeitsressourcen spontan bündeln kann. Dieses Wissen kann genutzt werden, um Lerninhalte interessanter aufzubereiten, Aufgaben individuell zu strukturieren und Motivation gezielt zu fördern.

Ein Kind, das im Hyperfokus stundenlang komplexe Lego-Konstruktionen baut oder sich mit erstaunlicher Ausdauer mit Dinosauriern beschäftigt, zeigt damit keineswegs den Beweis gegen eine ADHS – sondern vielmehr einen typischen Aspekt dieser komplexen Störung.

5. Ursachen von ADHS – was sagt die Forschung?

ADHS ist keine Erziehungsstörung, sondern eine biologisch verankerte Störung mit einer starken genetischen Komponente. In der Forschung werden verschiedene Ursachen diskutiert:

  • Genetische Faktoren: ADHS tritt familiär gehäuft auf. Kinder von Eltern mit ADHS haben ein deutlich erhöhtes Risiko.
  • Neurobiologische Besonderheiten: Studien zeigen Veränderungen in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im präfrontalen Cortex, der für Impulskontrolle und Aufmerksamkeitssteuerung zuständig ist.
  • Dopamin-Haushalt: Bei Betroffenen ist die Signalübertragung über Dopamin, einen wichtigen Botenstoff im Gehirn, beeinträchtigt.
  • Frühgeburtlichkeit oder Geburtskomplikationen können das Risiko erhöhen.
  • Umweltfaktoren wie chronischer Stress, instabile familiäre Strukturen oder Medienüberstimulation können bestehende Symptome verstärken, sind aber nicht ursächlich.

6. Ist ADHS eine Modediagnose?

Der Vorwurf, ADHS sei eine „Erfindung der Neuzeit“, hält sich hartnäckig. Doch die Symptome von ADHS sind nicht neu. Bereits vor über 100 Jahren wurde das „hyperkinetische Syndrom“ beschrieben – unter anderen Begriffen, aber mit ähnlichen Merkmalen.

Was sich verändert hat, ist das Bewusstsein: Heute werden betroffene Kinder früher erkannt, systematischer diagnostiziert und können gezielter unterstützt werden. Es geht nicht um Etiketten – sondern um Hilfe zur Selbsthilfe. Eine korrekte Diagnose öffnet Türen: zur passenden Therapie, zur schulischen Unterstützung und zur Entlastung für die ganze Familie.

7. Wie wird ADHS psychotherapeutisch diagnostiziert?

In den Testzentren des Fachzentrums für Psychotherapie in Köln, Bonn und Düsseldorf erfolgt die Diagnostik mehrstufig und orientiert sich an wissenschaftlich fundierten Standards:

  • Erstgespräch mit den Eltern: Entwicklungsverlauf, Familienstruktur, Schulverhalten, aktuelle Belastungen.
  • Exploration mit dem Kind / Jugendlichen: Beziehungsebene, Selbstwahrnehmung, schulische Erfahrungen.
  • Verhaltensbeobachtung: in strukturierter Testumgebung (z. B. Konzentrationsaufgaben).
  • Standardisierte Fragebögen: z. B. DISYPS-III, Conners-3 (Selbst- und Fremdbeurteilung).
  • Kognitive Leistungstests: Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle, ggf. Intelligenz.
  • Screening auf komorbide Störungen: z. B. Ängste, Depressionen, Zwang, Autismus.

Die Tests werden altersgerecht durchgeführt – mit psychologischer Begleitung und klarer, wertschätzender Kommunikation. Ziel ist es, ein differenziertes Gesamtbild zu erhalten – und keine vorschnelle Etikettierung vorzunehmen.

8. Ab welchem Alter ist eine Diagnosestellung sinnvoll oder möglich?

Viele Eltern machen sich bereits früh Sorgen, wenn ihr Kind auffallend unruhig ist, ständig in Bewegung, schlecht zur Ruhe kommt oder kaum Anweisungen befolgt. Besonders im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern in der Kita oder Spielgruppe fällt auf: Unser Kind ist anders. Daraus ergibt sich verständlicherweise die Frage: Können Sie ADHS schon bei kleinen Kindern in Ihrem Testzentren Köln, Bonn und Düsseldorf feststellen? Und wenn ja: wie verlässlich ist das?

8.1 ADHS-Symptome zeigen sich oft früh – aber die Diagnose braucht Zeit

Tatsächlich zeigen sich bei vielen betroffenen Kindern erste Auffälligkeiten schon in den ersten Lebensjahren. Diese reichen von motorischer Unruhe über extreme Reizoffenheit bis hin zu Impulsivität, Trotz oder auffälliger Wutregulation. Doch: Gerade im Vorschulalter überschneiden sich ADHS-typische Verhaltensweisen oft mit normaler kindlicher Entwicklung. Viele Dreijährige sind sprunghaft, laut, impulsiv – ohne dass eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt.

Deshalb gilt: Eine verlässliche ADHS-Diagnose ist in der Regel ab dem 4. bis 5. Lebensjahr möglich, wenn das Verhalten:

  • dauerhaft auffällig ist (seit mindestens sechs Monaten),
  • deutlich vom altersüblichen Verhalten abweicht,
  • in mehreren Lebensbereichen (z. B. zu Hause und in der Kita) auftritt,
  • und zu erheblichen Belastungen bei Kind oder Umfeld führt.

Vor dem 4. Geburtstag ist eine klassische ADHS-Diagnostik meist noch nicht zielführend, weil entwicklungsbedingte Schwankungen zu hoch sind. Dennoch kann es sinnvoll sein, frühe Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten professionell einschätzen zu lassen – etwa im Rahmen eines Entwicklungsscreenings.

8.2 Was passiert bei einer frühen Abklärung?

In unseren Testzentren in Köln, Bonn und Düsseldorf führen wir bei Kindern im Vorschulalter zunächst altersangemessene Screening-Verfahren durch. Dazu gehören:

  • Eltern- und Erzieher:innenfragebögen
  • spielerisch angelegte Verhaltensbeobachtung
  • ggf. standardisierte Entwicklungstests (z. B. ET 6-6-R, BUEVA-III)

Dabei achten wir besonders darauf, ob das Kind sich altersgerecht entwickelt oder ob bestimmte Regulationsstörungen, Reizverarbeitungsprobleme oder Auffälligkeiten in der Aufmerksamkeit erkennbar sind. Diese frühen Einschätzungen können helfen, den weiteren Entwicklungsverlauf gezielt zu begleiten – selbst wenn noch keine gesicherte ADHS-Diagnose gestellt wird.

8.3 Früherkennung statt Frühdiagnose

Wichtig ist: Die psychologische Einschätzung im Vorschulalter sollte nicht darauf abzielen, eine Etikettierung vorzunehmen oder das Kind vorschnell in ein Störungsbild „einzusortieren“. Vielmehr geht es darum, den Entwicklungsstand differenziert zu erfassen, Eltern zu entlasten und – falls nötig – frühzeitig unterstützende Maßnahmen anzustoßen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Elternberatung
  • Entwicklungsförderung durch Ergotherapie oder Frühförderstellen
  • pädagogische Unterstützung in der Kita

Gerade im Vorschulalter kann eine zu frühe Diagnose mehr schaden als helfen – vor allem, wenn sie mit Vorurteilen oder Überforderung einhergeht. Besser ist es, gemeinsam mit Fachleuten wachsam zu bleiben, Entwicklungsschritte zu begleiten und gezielt zu stärken – ohne vorschnelle Festlegungen.

9. Wie genau funktionieren Online-Tests oder Symptom-Checker – und sind sie empfehlenswert?

9.1 Was leisten Online-Symptomtests?

Online-Symptomtests oder Checklisten bieten eine erste Orientierung: Sie fragen typische Verhaltensweisen ab und geben Rückmeldung, ob ein Verdacht auf ADHS bestehen könnte. Viele Eltern nutzen solche Tests, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen – oft ausgelöst durch Probleme in der Schule oder wiederholte Hinweise von Lehrkräften.

Ein seriöser Online-Test basiert in der Regel auf etablierten Fragebögen wie dem Conners-Screening oder DISYPS-Kriterien – und erfasst verschiedene Lebensbereiche (z. B. Verhalten zu Hause, in der Schule, mit Gleichaltrigen).

9.2 Grenzen und Risiken von Online-Screenings

So hilfreich erste Tests auch sein mögen – sie ersetzen keine qualifizierte Diagnostik. Denn:

  • Die Auswertung erfolgt automatisiert – ohne Einschätzung durch Fachpersonen.
  • Emotionale, soziale und schulische Kontexte bleiben oft unberücksichtigt.
  • Nicht alle Kinder mit Konzentrationsproblemen haben ADHS – und nicht jedes ADHS zeigt sich gleich.

Daher gilt: Ein auffälliges Testergebnis kann ein Anlass sein, eine fachliche Abklärung zu suchen – aber niemals die Grundlage für eine Diagnose oder gar Medikation.

10. Was passiert nach der Diagnose? Therapieoptionen

Wurde eine ADHS-Diagnose gestellt, stehen unterschiedliche Therapiebausteine zur Verfügung. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Alter des Kindes, dem Ausprägungsgrad der Symptome, begleitenden Problemen (z. B. Ängsten, familiären Belastungen) und dem sozialen Umfeld ab. Wichtig: ADHS ist gut behandelbar – vorausgesetzt, es erfolgt eine individuell abgestimmte Herangehensweise, die das gesamte System einbezieht.

10.1 Psychotherapie

Psychotherapeutische Verfahren – insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie – gelten als zentraler Baustein der ADHS-Behandlung. Sie setzen direkt an den erlebten Problemen im Alltag an und vermitteln konkrete Strategien, um mit Unruhe, Ablenkbarkeit oder Impulsivität besser umgehen zu können.

Je nach Alter und Entwicklung des Kindes können unterschiedliche therapeutische Elemente im Vordergrund stehen:

  • Training von Aufmerksamkeit und Selbststeuerung
  • Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Frustrationstoleranz und Impulskontrolle
  • Soziale Kompetenz und Umgang mit Konflikten

Besonders wichtig ist die Einbeziehung der Eltern – in Form von begleitenden Elterngesprächen oder einem strukturierten Elterntraining. Denn ADHS beeinflusst nicht nur das Kind – sondern wirkt sich auf die gesamte Familie aus. Ein gemeinsames Verständnis, klare Regeln und ein unterstützender Umgang mit Fehlverhalten können entscheidend zur Stabilisierung beitragen.

10.2 Medikamente

Bei ausgeprägter ADHS kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll oder notwendig sein – insbesondere dann, wenn die Symptomatik den Alltag stark beeinträchtigt und andere Maßnahmen nicht ausreichen.

In Deutschland sind vor allem zwei Wirkstoffgruppen zugelassen:

  • Stimulanzien (z. B. Methylphenidat / Ritalin®, Medikinet®): Sie steigern die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und verbessern so Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle.
  • Nicht-Stimulanzien (z. B. Atomoxetin / Strattera®): Sie wirken über andere Botenstoffe und werden eingesetzt, wenn Stimulanzien nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind.

Die Verordnung erfolgt ausschließlich durch Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder durch Kinderärzt:innen mit entsprechender Zusatzqualifikation. In vielen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeut:in und ärztlicher Fachperson sinnvoll – um Wirkung und Nebenwirkungen im Verlauf zu beobachten und Therapieentscheidungen gemeinsam zu treffen.

10.3 Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten

Wie bei allen Medikamenten kann es auch bei ADHS-Präparaten zu Nebenwirkungen kommen. Häufige – meist vorübergehende – Begleiterscheinungen sind:

  • Appetitminderung
  • Einschlafprobleme
  • Reizbarkeit oder emotionale Labilität
  • Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen

Viele dieser Effekte treten vor allem in den ersten Tagen oder bei Dosiserhöhungen auf – und lassen mit der Zeit nach. Wichtig ist, dass die Behandlung eng begleitet wird, damit frühzeitig reagiert werden kann.

10.4 Wie kann man Nebenwirkungen begrenzen?

Die meisten Nebenwirkungen lassen sich durch eine schrittweise Einstellung, eine gute Tagesstruktur und ärztliche Begleitung deutlich reduzieren. Dabei helfen folgende Maßnahmen:

  • Start mit niedriger Dosis und langsame Steigerung
  • regelmäßige ärztliche Kontrolle (z. B. Gewicht, Blutdruck, Schlaf)
  • Beachtung von Mahlzeitenzeiten (v. a. bei Appetitminderung)
  • ggf. Umstellung auf ein anderes Präparat oder Wirkstoffgruppe

Wichtig ist: Die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Behandlung sollte nie isoliert, sondern immer im Rahmen eines Gesamtkonzepts getroffen werden – gemeinsam mit allen Beteiligten.

10.5 Welche Alternativen oder Ergänzungen zur Medikation gibt es?

Nicht alle Kinder mit ADHS benötigen Medikamente – und auch bei medikamentöser Behandlung ist es sinnvoll, ergänzende Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Diese können dazu beitragen, das Verhalten positiv zu beeinflussen, Selbstwirksamkeit zu stärken und langfristige Fortschritte zu sichern.

10.5.1 Psychotherapie als Basis

Wie bereits beschrieben, bildet die Psychotherapie – insbesondere die Verhaltenstherapie – oft das Fundament der ADHS-Behandlung. Sie kann dabei helfen, Symptome zu reduzieren, die Selbststeuerung zu verbessern und das Kind langfristig zu stärken. Auch bei leichter Ausprägung oder im Vorschulalter ist Psychotherapie häufig das Mittel der Wahl.

10.5.2 Neurofeedback: Training für die Gehirnaktivität

Neurofeedback ist ein spezielles Verfahren der Biofeedback-Therapie. Dabei werden mittels EEG die Hirnströme des Kindes gemessen und in Echtzeit auf einem Bildschirm dargestellt – zum Beispiel in Form eines Computerspiels. Ziel ist es, bestimmte Gehirnaktivitäten zu trainieren, die mit Aufmerksamkeit und Selbstregulation zusammenhängen.

In mehreren Studien zeigten sich positive Effekte auf Konzentration und Impulskontrolle – vor allem bei Kindern, die auf andere Therapieformen nicht gut ansprechen oder keine Medikamente nehmen möchten. Allerdings ist die Wirksamkeit nicht unumstritten und stark abhängig von der Qualität der Durchführung. Wir empfehlen eine sorgfältige Beratung und Anwendung nur durch qualifizierte Anbieter.

10.5.3 Biofeedback und Achtsamkeit

Biofeedback-Verfahren nutzen körperliche Rückmeldesignale (z. B. Hautleitwert, Herzrate oder Atmung), um das eigene Stress- und Erregungsniveau besser regulieren zu lernen. Kinder erhalten visuelle Rückmeldungen – etwa in Form von Grafiken oder Animationen – und lernen, durch gezielte Atmung oder innere Bilder Ruhe herzustellen.

Auch achtsamkeitsbasierte Verfahren wie „achtsames Atmen“, Bodyscans oder kurze Meditationen können hilfreich sein – insbesondere bei innerer Unruhe, impulsivem Verhalten oder Einschlafproblemen. Wichtig ist, dass solche Übungen kindgerecht vermittelt werden und keine Überforderung darstellen.

10.5.4 Sport und Bewegung

Bewegung spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit ADHS. Körperliche Aktivität hilft, überschüssige Energie abzubauen, das Stressniveau zu senken und die Selbstregulation zu verbessern. Besonders geeignet sind strukturierte Sportarten mit klaren Regeln – z. B. Kampfsportarten, Klettern, Leichtathletik oder Teamsport.

Neben klassischen Sportangeboten kann auch Bewegung im Alltag bewusst gefördert werden – z. B. durch Spaziergänge, Trampolin, Radfahren oder Bewegungspausen bei den Hausaufgaben. Wichtig ist: Das Kind sollte Freude an der Bewegung haben und nicht durch Leistungsdruck zusätzlich belastet werden.

11. Diagnose ADHS beim Kind: Wie sollten Eltern damit umgehen?

Die Diagnose ADHS löst bei vielen Eltern ambivalente Gefühle aus: Erleichterung, weil das Verhalten des Kindes endlich einen Namen hat – aber auch Unsicherheit, Angst oder Schuldgefühle. Umso wichtiger ist ein konstruktiver, zugewandter Umgang:

  • Vermeiden Sie Schuldzuweisungen – weder sich selbst noch dem Kind gegenüber.
  • Informieren Sie sich umfassend: Je besser Sie ADHS verstehen, desto besser können Sie Ihr Kind unterstützen.
  • Akzeptieren Sie die Stärken und Schwächen Ihres Kindes – jenseits von Leistungsdenken.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Lehrer:innen, Therapeut:innen und anderen Bezugspersonen – Transparenz hilft.
  • Vermeiden Sie Überforderung: Auch als Eltern dürfen Sie an Ihre Belastungsgrenzen kommen. Holen Sie sich Unterstützung, z. B. in Elterngruppen oder Familienberatung.

Kinder mit ADHS brauchen keine perfekten Eltern – sondern verständnisvolle, verlässliche Erwachsene, die ihnen helfen, ihren Platz in der Welt zu finden.

12. ADHS und Schule

Für viele Kinder mit ADHS ist die Schule eine besondere Herausforderung – und für viele Eltern ein Dauerthema. Konzentrationsprobleme, impulsives Verhalten oder emotionale Überforderung können zu Konflikten führen – mit Mitschüler:innen, Lehrer:innen oder dem System Schule selbst. Umso wichtiger ist es, dass Lehrkräfte über ADHS informiert sind und individuelle Wege gefunden werden, um betroffene Kinder zu unterstützen.

Eine fundierte Diagnose – zum Beispiel durch die approbierten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen unserer Testzentren in Köln, Bonn und Düsseldorf – wird in der Regel auch von Schulträgern anerkannt. Sie kann als Grundlage dienen für:

  • Nachteilsausgleiche (z. B. Zeitzuschläge bei Klassenarbeiten, mündliche statt schriftliche Leistungsnachweise)
  • individuelle Förderpläne
  • pädagogische Maßnahmen zur Entlastung (z. B. Bewegungspausen, feste Bezugspersonen, strukturierter Arbeitsplatz)

Dafür ist in vielen Fällen ein schriftliches psychologisches Gutachten notwendig, das die Diagnose nachvollziehbar begründet und konkrete Empfehlungen enthält. Dieses kann nach einer umfassenden Testung durch unser Team erstellt werden – mit dem Ziel, schulische Teilhabe zu sichern und das Kind bestmöglich zu fördern.

13. Wie geht man nachhaltig mit Teenagern mit ADHS um?

Die Pubertät stellt ohnehin eine Phase der Umbrüche und Selbstfindung dar – für Jugendliche mit ADHS und ihre Familien ist sie oft besonders herausfordernd. Stimmungsschwankungen, Rückzugsverhalten, Schulprobleme oder Konflikte mit Autoritäten können sich verstärken. Viele Eltern fühlen sich machtlos oder geraten in anstrengende Dauerdiskussionen.

Was Teenager mit ADHS jetzt brauchen, ist beides: Struktur und Verständnis. Strenge allein hilft selten weiter – genauso wenig wie ein „Laufenlassen“. Stattdessen brauchen Jugendliche:

  • klare Regeln und Grenzen – aber mit Gesprächsbereitschaft
  • Vertrauen und ein ehrliches Interesse an ihren Themen
  • Hilfen zur Selbstorganisation (z. B. Apps, Kalender, Lernstruktur)
  • die Möglichkeit, sich über die Diagnose zu informieren und Verantwortung zu übernehmen
  • Begleitung – aber auch Spielräume zur Eigenständigkeit

Viele Jugendliche profitieren in dieser Phase von therapeutischer Begleitung – insbesondere dann, wenn Selbstwertprobleme, depressive Symptome oder soziale Rückzüge auftreten. Ziel ist nicht Kontrolle, sondern Entwicklung: Die Jugendlichen sollen lernen, ihre Besonderheiten zu verstehen und selbstbewusst mit ihnen umzugehen.

14. Hört ADHS im Erwachsenenalter auf?

ADHS ist keine Störung, die mit dem Ende der Schulzeit einfach „verschwindet“. Vielmehr verändern sich die Symptome im Lauf der Entwicklung – und mit ihnen auch die Herausforderungen.

Viele Kinder mit ADHS zeigen im Erwachsenenalter weiterhin Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeitssteuerung, der Selbstorganisation oder im Umgang mit Stress – selbst wenn die motorische Unruhe nachlässt. Manche entwickeln ausgeklügelte Kompensationsstrategien – andere kämpfen mit dem Gefühl, immer „anders“ oder überfordert zu sein.

Je früher und gezielter die Förderung erfolgt, desto höher sind die Chancen, dass Betroffene ihren Weg finden – beruflich, sozial und persönlich. Eine fundierte Diagnostik in Kindheit oder Jugend schafft dafür die Grundlage: Sie gibt Orientierung, stärkt das Selbstverständnis und kann helfen, wiederkehrende Stolpersteine im Lebenslauf besser zu verstehen.

15. Warum sind unsere Testzentren eine gute Anlaufstelle?

In unseren Testzentren in Köln, Bonn und Düsseldorf bieten wir eine spezialisierte Diagnostik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an. Die Diagnostik erfolgt durch approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen mit langjähriger Erfahrung – stets wissenschaftlich fundiert und individuell abgestimmt.

Unsere Angebote zeichnen sich aus durch:

  • eine strukturierte, mehrstufige Testdiagnostik mit standardisierten Verfahren
  • altersgerechte Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen
  • eine transparente und wertschätzende Haltung gegenüber Eltern
  • die Möglichkeit, bei Bedarf eine weiterführende Psychotherapie im Haus anzuschließen

Dabei geht es uns nicht darum, möglichst schnell ein Etikett zu vergeben – sondern ein differenziertes Bild zu erheben, um sinnvolle Weichen für die Zukunft zu stellen. Viele Familien empfinden die Diagnostik in unseren Zentren als große Entlastung: Endlich wird das Verhalten ihres Kindes nicht mehr als „ungezogen“ oder „faul“ missverstanden – sondern fachlich eingeordnet und individuell begleitet.

16. Warum frühzeitige Unterstützung so wichtig ist

ADHS ist kein „vorübergehendes Problem“, das sich von allein auswächst – zumindest nicht bei den Kindern, bei denen eine echte Störung vorliegt. Wird die Symptomatik nicht erkannt oder fehlinterpretiert, besteht die Gefahr, dass sich ungünstige Verhaltensmuster verfestigen und Folgestörungen entwickeln. Dazu zählen zum Beispiel Schulvermeidung, Ängste, depressive Verstimmungen oder oppositionelles Verhalten.

Je früher eine fundierte Diagnostik und begleitende Therapie ansetzen, desto besser lassen sich negative Spiralen durchbrechen – und Ressourcen gezielt stärken. Frühzeitige Hilfe bedeutet nicht, das Kind „krank zu machen“ – sondern ihm zu helfen, sich in einer komplexen Welt besser zurechtzufinden.

Dabei geht es nicht um Perfektion – sondern um Entwicklung. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Wahrnehmung ernst nehmen und sich trauen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unsere Testzentren bieten hierfür einen wertschätzenden, strukturierten Rahmen – mit einem klaren Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe. Informieren Sie sich gern über unsere Testzentren hier bzw. über unsere Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene direkt auf unseren Standortseiten Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen.

👉 Mehr Informationen zur Terminvereinbarung und zu unserem Testzentrum finden Sie hier.

Psychologische Testcenter

In unseren Standorten in Köln, Bonn sowie Düsseldorf verfügen wir über Testcenter für Testungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahren: Leistungsdiagnostik / Intelligenz, ADHS-Testungen, Lese-/Rechtschreibtest, Dyskalkulie (Rechenschwäche).

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