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von M. Sc. Psych. Christine Pihl

Autismus bei Kindern und Jugendlichen – verstehen, begleiten und unterstützen

Autorin: M.Sc.Psych. Christine Pihl

Christine Pihl, M.Sc.Psych., ist eine erfahrene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin im FZP Fachzentrum für Psychotherapie Düsseldorf.  Dort behandelt Sabine Böhringer alle psychischen Beschwerden von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bis 21 Jahre mit Verhaltenstherapie. Christine Pihl verfügt über eine Weiterbildung für spezifische Tests bei Autismus-Verdacht und bietet entsprechende Tests in unserem Testcenter im Fachzentrum für Psychotherapie Düsseldorf an.

Autismus verstehen – eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen

Wenn Eltern zum ersten Mal den Begriff Autismus hören – sei es durch eigene Beobachtungen oder Hinweise aus Kindergarten oder Schule – entstehen oft viele Fragen, manchmal auch Sorgen und Unsicherheiten. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen: Autismus ist keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen, zu verarbeiten und mit ihr in Kontakt zu treten.

Dieser Artikel möchte Ihnen ein verständliches, wertschätzendes und fundiertes Bild davon vermitteln, was Autismus bei Kindern und Jugendlichen bedeutet, woran man ihn erkennen kann und wie Diagnostik und Unterstützung aussehen können.

Was bedeutet Autismus eigentlich?

Unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) werden heute verschiedene Erscheinungsformen zusammengefasst, die früher als frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom und atypischer Autismus bezeichnet wurden. Der Begriff „Spektrum“ macht dabei deutlich: Autismus zeigt sich sehr unterschiedlich – jedes Kind ist einzigartig.

Autismus gehört zu den sogenannten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Das bedeutet, dass sich bestimmte Bereiche der Entwicklung – insbesondere die soziale Interaktion, die Kommunikation und das Verhalten – von Anfang an anders entwickeln als bei anderen Kindern.

Typisch ist dabei eine besondere Art der sozialen Wahrnehmung und Interaktion, eine abweichende Kommunikation sowie eingeschränkte, wiederkehrende Interessen und Verhaltensweisen. Diese Unterschiede zeigen sich meist schon in der frühen Kindheit und sind situationsübergreifend vorhanden, können jedoch in ihrer Ausprägung stark variieren.

Wie erleben Kinder mit Autismus die Welt?

Viele autistische Kinder nehmen ihre Umwelt anders wahr und verarbeiten Reize auf besondere Weise. Dabei spielen verschiedene kognitive Besonderheiten eine Rolle.

Häufig zeigen sich Schwierigkeiten in den sogenannten exekutiven Funktionen, also bei der Planung, Strukturierung und flexiblen Anpassung von Handlungen. Auch die zentrale Kohärenz ist oft anders ausgeprägt – viele Kinder nehmen Details sehr intensiv wahr, während es schwerfällt, das Gesamtbild zu erfassen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Theory of Mind, also die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle und Absichten anderer Menschen intuitiv zu verstehen. Dies kann im Alltag zu Missverständnissen führen, etwa in sozialen Situationen oder im Spiel mit anderen Kindern.

Gerade im Kindesalter zeigen sich zudem häufig Herausforderungen in der Selbstregulation, zum Beispiel im Umgang mit starken Gefühlen oder bei Reizüberflutung.

Unterschiedliche Ausprägungen im Autismus-Spektrum

Auch wenn heute meist vom Autismus-Spektrum gesprochen wird, lassen sich zur Orientierung verschiedene Ausprägungsformen unterscheiden.

Beim frühkindlichen Autismus zeigen sich Auffälligkeiten in den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation sowie eingeschränktes und repetitives Verhalten bereits vor dem dritten Lebensjahr.

Beim atypischen Autismus liegen ähnliche Symptome vor, jedoch sind nicht alle diagnostischen Kriterien erfüllt oder die Auffälligkeiten treten später auf.

Das Asperger-Syndrom ist gekennzeichnet durch Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion sowie stereotype Verhaltensweisen, wobei keine Sprachentwicklungsverzögerung und keine Einschränkung der kognitiven Entwicklung vorliegen.

Wichtig ist: Die Unterschiede bestehen nicht in der Art der Merkmale, sondern in deren Ausprägung.

Woran können Eltern Autismus im Alltag erkennen?

Autistische Merkmale zeigen sich häufig im Alltag, oft zunächst in kleinen Besonderheiten. Nicht jedes auffällige Verhalten bedeutet automatisch Autismus, doch bestimmte Muster können Hinweise geben.

Im Bereich der sozialen Interaktion fällt häufig ein geringes Interesse an anderen Kindern auf. Rollenspiele werden selten oder anders gestaltet, und das Einfühlen in andere Menschen fällt schwer. Blickkontakt, Mimik und Gestik werden oft reduziert eingesetzt.

In der Kommunikation können sich Besonderheiten wie eine verzögerte Sprachentwicklung oder ein ungewöhnlicher Sprachstil zeigen. Manche Kinder sprechen sehr monoton, wiederholen Wörter oder Sätze (Echolalie) oder haben Schwierigkeiten, Ironie und bildhafte Sprache zu verstehen.

Im Bereich des Verhaltens zeigen sich häufig stereotype Handlungen, etwa das Sortieren oder Aufreihen von Gegenständen. Viele Kinder entwickeln intensive Spezialinteressen und bevorzugen gleichbleibende Abläufe.

Zusätzlich können weitere Auffälligkeiten auftreten, wie ein selektives Essverhalten, motorische Ungeschicklichkeit oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen.

Warum ist eine frühzeitige Diagnostik wichtig?

Eine frühzeitige Diagnosestellung kann entscheidend sein, um passende Unterstützung und Förderung einzuleiten. Sie hilft dabei, das Verhalten des Kindes besser zu verstehen und gezielt darauf einzugehen.

Für viele Familien bedeutet eine Diagnose auch Entlastung, da sie Klarheit schafft und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet.

Wie wird Autismus diagnostiziert?

Die Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung erfolgt nach wissenschaftlich fundierten Leitlinien und umfasst verschiedene Bausteine.

Dazu gehören ausführliche Gespräche mit Eltern und Bezugspersonen, Verhaltensbeobachtungen, standardisierte Fragebögen sowie strukturierte Interviews. Ergänzend werden diagnostische Beobachtungsverfahren und eine Leistungsdiagnostik durchgeführt.

Diese Kombination ermöglicht eine umfassende und differenzierte Einschätzung.

Ablauf der Diagnostik in unserer Praxis

Erstgespräch und Anamnese

Zu Beginn findet ein ausführliches Erstgespräch statt, in dem wir uns kennenlernen und die Entwicklungsgeschichte Ihres Kindes besprechen.

Fragebögen und Einschätzungen

Im nächsten Schritt werden standardisierte Fragebögen durch Eltern sowie durch Lehrkräfte oder Erzieher ausgefüllt. Dies ist auch bequem online von zuhause möglich.

Strukturiertes Interview (ADI-R)

Ein wichtiger Bestandteil ist das strukturierte Interview mit den Eltern, in dem die Entwicklung des Kindes detailliert erfasst wird.

Intelligenzdiagnostik

Zur Einschätzung des kognitiven Entwicklungsstandes führen wir eine Intelligenztestung durch.

Diagnostische Beobachtung (ADOS-2)

Im Rahmen eines spielerisch gestalteten Termins wird die diagnostische Beobachtungsskala für autistische Störungen durchgeführt.

Befundbesprechung und Empfehlungen

In einem abschließenden Gespräch erläutern wir die Ergebnisse ausführlich und geben individuelle Empfehlungen.

Bericht und weitere Begleitung

Auf Wunsch erhalten Sie einen schriftlichen Befundbericht. Zudem besteht die Möglichkeit einer weiterführenden therapeutischen Begleitung. Die Diagnostik ist bei uns ab dem 6. Lebensjahr möglich.

Wie kann Psychotherapie unterstützen?

Auch wenn Autismus nicht „geheilt“ werden kann, gibt es viele Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche gezielt zu unterstützen.

In der Psychotherapie geht es darum, soziale Fähigkeiten zu stärken, Strategien im Umgang mit Gefühlen zu entwickeln und den Alltag besser bewältigen zu können. Ebenso wichtig ist die Förderung von Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz.

Ein zentraler Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie erhalten Unterstützung dabei, ihr Kind besser zu verstehen und im Alltag angemessen zu begleiten.

Ein ermutigender Blick zum Schluss

Viele Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum entwickeln mit der richtigen Unterstützung ihre ganz eigenen Stärken und Wege.

Eine Diagnose bedeutet vor allem eines: Verstehen. Sie eröffnet die Möglichkeit, gezielt zu fördern, zu entlasten und neue Perspektiven zu entwickeln.

Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, kann ein erstes Gespräch ein wichtiger Schritt sein. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

Psychologische Testcenter

In unseren Standorten in Köln, Bonn sowie Düsseldorf verfügen wir über Testcenter für Testungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahren: Leistungsdiagnostik / Intelligenz, ADHS-Testungen, Lese-/Rechtschreibtest, Dyskalkulie (Rechenschwäche).

Psychotherapie ohne lange Wartezeit

Wenn Sie darüber nachdenken, eine Therapie zu beginnen, kann ein erstes Gespräch helfen, Klarheit zu gewinnen.

Im Fachzentrum für Psychotherapie bieten wir sowohl klassische Therapiesitzungen als auch Online-Psychotherapie an. Gemeinsam finden wir heraus, welche Form der Unterstützung für Sie passend ist.

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