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Blog-Artikel

von Dipl.-Psych. Thorsten Kalinka

Elternratgeber: Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen

Wann eignet sich kognitive Verhaltenstherapie besonders?

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Thorsten Kalinka Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Fachzentrum für Psychotherapie Bonn
Autor: Thorsten Kalinka

Der Diplom-Psychologe Thorsten Kalinka ist ein erfahrener approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Er ist im Fachzentrum für Psychotherapie Bonn in der Privatpraxis von Dipl.-Psych. Matthias Potreck fest angestellt und hilft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahren.

1. Wenn Eltern spüren, dass etwas nicht stimmt

Die meisten Eltern kennen dieses Gefühl: Man kann es nicht genau benennen, aber irgendetwas hat sich verändert. Das eigene Kind wirkt nicht mehr unbeschwert. Vielleicht zieht es sich zurück, vielleicht ist es ungewöhnlich reizbar oder ängstlich. Vielleicht klagt es häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen, ohne dass eine organische Ursache gefunden wird. Oder es kommt immer häufiger zu Konflikten in der Schule.

Kinder entwickeln sich in Wellen. Sie durchlaufen Phasen, in denen sie empfindlicher, anhänglicher oder rebellischer sind. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Entscheidend ist jedoch, ob eine Verhaltensveränderung vorübergehend ist – oder ob sie sich verfestigt, das Kind sichtbar belastet und seinen Alltag zunehmend einschränkt.

Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter sind keine Seltenheit. Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil junger Menschen zumindest zeitweise unter behandlungsbedürftigen psychischen Symptomen leidet. Dennoch werden viele dieser Störungen spät erkannt. Kinder sprechen oft nicht offen über ihre inneren Belastungen. Sie zeigen sie – in ihrem Verhalten, in ihrem Rückzug, in ihrer Gereiztheit oder in ihren körperlichen Beschwerden.

Gerade hier kann die kognitive Verhaltenstherapie eine wirkungsvolle und wissenschaftlich gut abgesicherte Hilfe sein.

2. Was ist kognitive Verhaltenstherapie – und warum wirkt sie gerade bei Kindern und Jugendlichen so gut?

Die kognitive Verhaltenstherapie geht davon aus, dass unser Erleben nicht nur von äußeren Ereignissen bestimmt wird, sondern maßgeblich davon, wie wir diese Ereignisse bewerten. Zwischen Situation und Gefühl steht der Gedanke. Und dieser Gedanke beeinflusst wiederum unser Verhalten.

Ein einfaches Beispiel: Zwei Kinder halten ein Referat. Das eine denkt: „Ich bin gut vorbereitet, das schaffe ich.“ Das andere denkt: „Ich werde mich blamieren.“ Obwohl die Situation identisch ist, unterscheiden sich Anspannung, Selbstvertrauen und Auftreten erheblich.

Viele psychische Störungen sind mit ungünstigen Denk- und Verhaltensmustern verbunden. Ängstliche Kinder überschätzen Gefahren. Depressive Jugendliche interpretieren Fehler als Beweis persönlicher Wertlosigkeit. Kinder mit Zwangsstörungen halten ihre aufdrängenden Gedanken für bedeutsam oder gefährlich. Kinder mit ADHS erleben sich häufig als „ständig falsch“ und entwickeln negative Selbstzuschreibungen.

Die kognitive Verhaltenstherapie hilft jungen Menschen dabei, diese inneren Muster zu erkennen, zu hinterfragen und neue Erfahrungen zu machen. Und genau hier liegt ihre besondere Stärke im Kindes- und Jugendalter: Das Gehirn ist noch in Entwicklung. Lernprozesse greifen tief. Neue Erfahrungen können nachhaltig neue neuronale Verknüpfungen schaffen.

Anders als rein gesprächsorientierte Verfahren arbeitet die Verhaltenstherapie sehr praxisnah. Es wird nicht nur über Probleme gesprochen, sondern aktiv geübt. Kinder sammeln konkrete Lernerfahrungen: „Ich kann meine Angst aushalten.“ – „Meine Befürchtung ist nicht eingetreten.“ – „Ich kann meine Gedanken beeinflussen.“ Diese Erfahrungen verändern Selbstbild und Zukunftserwartung.

3. Besonderheiten der Therapie im Kindes- und Jugendalter

Kinder kommen selten freiwillig in Therapie. Häufig erleben sie den Beginn einer Behandlung als Signal, dass „mit ihnen etwas nicht stimmt“. Manche reagieren mit Widerstand oder Rückzug. Deshalb steht am Anfang nicht die Technik, sondern die Beziehung.

Ein Kind muss erleben, dass es verstanden wird. Dass es nicht das Problem ist, sondern Unterstützung bekommt. Gerade bei jüngeren Kindern erfolgt der Zugang oft spielerisch: über Geschichten, Zeichnungen, Figuren oder Rollenspiele. Jugendliche wiederum profitieren von strukturierten Gesprächen, von anschaulichen Modellen oder auch von achtsamkeitsbasierten Methoden.

3.1 Einbindung der Eltern

Eine Besonderheit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist die Einbindung der Eltern. Je jünger das Kind ist, desto wichtiger ist die Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen. Eltern lernen, wie sie Vermeidung nicht unbeabsichtigt verstärken, wie sie Selbstwirksamkeit fördern oder wie sie klare, stabile Strukturen bieten können.

Psychische Störungen entstehen nie monokausal. Sie entwickeln sich aus einem Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Die Therapie berücksichtigt dieses komplexe Gefüge.

3.2 Therapiemotivation: Wenn das Kind „nicht will“

Nicht selten werden Kinder in einer psychotherapeutischen Praxis vorgestellt, weil Eltern oder Lehrkräfte erhebliche Probleme wahrnehmen. Es gibt zahlreiche Beschwerden über Trotzverhalten, Rückzug, Aggressivität, Unaufmerksamkeit oder emotionale Instabilität. Das Kind selbst empfindet sich in diesen Situationen jedoch häufig nicht als „behandlungsbedürftig“. Im Gegenteil: Viele Kinder erleben den Therapiebeginn als Kränkung.

Aus kinderpsychotherapeutischer Sicht ist dies ein entscheidender Moment. Denn für das Kind bedeutet die Vorstellung in einer Praxis häufig: „Mit mir stimmt etwas nicht.“ Manche Kinder fühlen sich abgelehnt, kritisiert oder gar „reparaturbedürftig“. Besonders dann, wenn im Vorfeld viel über sie – aber wenig mit ihnen gesprochen wurde.

In belasteten Familiensituationen kann sich zudem ein ungünstiger Kreislauf entwickeln: Eltern sind erschöpft, Konflikte eskalieren häufiger, der wertschätzende Blick auf die Stärken des Kindes gerät zunehmend in den Hintergrund. Das Kind wiederum spürt diese Spannung und erlebt die therapeutische Vorstellung nicht selten als weiteren Beweis dafür, „nicht richtig“ zu sein.

Wird in dieser Situation zu Beginn der Therapie überwiegend mit den Eltern gesprochen – so verständlich dieses Bedürfnis fachlich auch ist –, kann sich beim Kind rasch ein Misstrauen entwickeln. Es ordnet die Therapeutin oder den Therapeuten dann innerlich dem „Team der Erwachsenen“ zu. Die therapeutische Beziehung startet unter ungünstigen Vorzeichen.

Gerade deshalb ist der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Allianz im Kindes- und Jugendalter von zentraler Bedeutung. Die erste Aufgabe besteht nicht darin, Symptome zu analysieren oder Verhaltenspläne zu entwickeln. Die erste Aufgabe ist Beziehung.

Ein Kind, das sich missverstanden oder beschämt fühlt, wird keine Veränderungsbereitschaft entwickeln. Ein Kind, das sich gesehen und ernst genommen fühlt, dagegen schon.

Aus therapeutischer Erfahrung wissen wir: Widerstand ist selten echte Verweigerung. Widerstand ist meist Schutz. Schutz vor weiterer Kränkung, vor Bewertung oder vor Kontrollverlust.

Deshalb ist es häufig sinnvoll, das Kind zunächst in den Mittelpunkt zu stellen – nicht seine Probleme, sondern seine Person. Es geht darum, einen sicheren Ort zu schaffen. Einen Raum, in dem das Kind erleben darf: „Hier werde ich nicht beurteilt. Hier interessiert sich jemand wirklich für mich.“

Therapiemotivation entsteht nicht durch Überredung. Sie entsteht durch Beziehung, durch Resonanz und durch das Erleben von Selbstwirksamkeit.

Ein weiterer zentraler Aspekt besteht darin, das Kind nicht als „Problemträger“ zu definieren, sondern als Verbündeten im therapeutischen Prozess. Das Ziel ist nicht, das Kind zu verändern, sondern gemeinsam mit ihm zu verstehen, was ihm hilft.

Wenn es gelingt, das Kind frühzeitig aktiv einzubeziehen, entsteht häufig ein bemerkenswerter Wandel: Aus dem zunächst widerständigen Kind wird ein neugieriger Mitgestalter. Aus der „Therapie gegen mich“ wird eine „Therapie für mich“.

4. Für welche psychischen Störungen ist Verhaltenstherapie besonders geeignet?

4.1 Angststörungen – wenn Sorgen das Leben bestimmen

Angst gehört zum Leben. Sie schützt uns vor Gefahren. Doch wenn Angst übermächtig wird, verliert sie ihre Schutzfunktion.

Im Kindes- und Jugendalter treten verschiedene Angststörungen auf: Trennungsangst, soziale Ängste, spezifische Phobien oder die generalisierte Angststörung. Besonders letztere wird häufig übersehen, weil betroffene Kinder oft angepasst, leistungsorientiert und verantwortungsbewusst erscheinen.

Kinder mit einer generalisierten Angststörung machen sich übermäßig viele Sorgen – über schulische Leistungen, Gesundheit, Sicherheit oder zukünftige Ereignisse. Entscheidend ist nicht das Thema der Sorge, sondern ihre Intensität, Dauer und Unkontrollierbarkeit. Die Kinder fühlen sich innerlich angespannt, leiden unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen oder körperlichen Beschwerden. Perfektionismus ist häufig eine Begleiterscheinung.

Unbehandelt können Angststörungen chronisch verlaufen und das Risiko für spätere Depressionen oder weitere psychische Erkrankungen erhöhen.

Die kognitive Verhaltenstherapie gilt hier als Methode der ersten Wahl. Ein zentraler Bestandteil ist die sogenannte Exposition. Das bedeutet, dass das Kind schrittweise mit den angstauslösenden Situationen konfrontiert wird – ohne Vermeidungsverhalten. Es lernt, dass die befürchtete Katastrophe nicht eintritt und dass Angst von selbst wieder abnimmt. Diese neuen Lernerfahrungen sind entscheidend.

Ergänzend kommen kognitive Techniken, Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation und der Aufbau von Selbstwirksamkeit zum Einsatz. Studien zeigen stabile Behandlungserfolge über Jahre hinweg.

4.2 Depressionen – mehr als „nur traurig sein“

Depressionen im Kindes- und Jugendalter werden häufig übersehen. Anders als bei Erwachsenen stehen nicht immer Traurigkeit und Rückzug im Vordergrund. Oft zeigen sich Reizbarkeit, Wut, schulische Probleme oder körperliche Beschwerden.

Etwa jedes zehnte Kind zeigt deutliche depressive Symptome, schwere Depressionen betreffen etwa fünf Prozent der jungen Menschen. Besonders gefährlich ist die Kombination aus Hoffnungslosigkeit, Selbstwertverlust und sozialem Rückzug.

Depressive Kinder entwickeln häufig ein negatives Selbstbild. Sie interpretieren kleine Fehler als Beweis persönlicher Unzulänglichkeit. Sie verlieren das Interesse an Aktivitäten, ziehen sich zurück und geraten in einen Kreislauf aus Passivität und Niedergeschlagenheit.

Die Verhaltenstherapie setzt hier auf mehreren Ebenen an. Zunächst wird durch sogenannte Verhaltensaktivierung wieder Bewegung ins Leben gebracht. Positive Aktivitäten werden geplant und strukturiert umgesetzt, um dem Rückzug entgegenzuwirken. Gleichzeitig werden negative Denkmuster überprüft und realistischere Sichtweisen entwickelt.

Moderne verhaltenstherapeutische Ansätze integrieren zudem achtsamkeitsbasierte Methoden, Defusionsübungen oder Selbstmitgefühlsstrategien, um Grübelprozesse zu reduzieren. Die Einbindung der Eltern ist besonders bei jüngeren Kindern essenziell.

4.3 ADHS – eine Störung der Selbstregulation, nicht der Erziehung

ADHS ist eine neurobiologisch mitbedingte Entwicklungsstörung mit hoher genetischer Komponente. Sie betrifft etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen. Die Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und – vor allem im jüngeren Alter – Hyperaktivität.

Wichtig ist: ADHS ist keine Folge von „pädagogischem Versagen“. Moderne diagnostische Systeme ordnen sie den neuroentwicklungsbedingten Störungen zu. Betroffen sind insbesondere Regelkreise im präfrontalen Kortex, die für Selbststeuerung und Impulskontrolle zuständig sind.

Verhaltenstherapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit zu strukturieren, Impulse zu regulieren und Aufgaben in überschaubare Schritte zu gliedern. Eltern erhalten Strategien zur klaren Strukturierung des Alltags.

Bei stärkerer Ausprägung kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Studien zeigen, dass eine Kombination aus Verhaltenstherapie und Medikation häufig die besten Ergebnisse erzielt.

4.4 Zwangsstörungen – gefangen im Kreislauf aus Angst und Ritualen

Zwangsstörungen beginnen häufig im Kindes- oder Jugendalter. Betroffene leiden unter aufdrängenden, unerwünschten Gedanken und entwickeln ritualisierte Handlungen, um die dadurch ausgelöste Angst zu reduzieren.

Diese Rituale – etwa exzessives Händewaschen oder wiederholtes Kontrollieren – bringen kurzfristige Erleichterung. Langfristig verstärken sie jedoch den Teufelskreis aus Angst und Zwang.

Die kognitive Verhaltenstherapie setzt hier auf die Exposition mit Reaktionsverhinderung. Das Kind wird schrittweise mit den angstauslösenden Gedanken oder Situationen konfrontiert, ohne das gewohnte Ritual auszuführen. So lernt es, dass die befürchteten Konsequenzen nicht eintreten und die Angst auch ohne Zwangshandlung abklingt.

Diese Methode ist intensiv, aber sehr wirksam. Eltern spielen eine entscheidende Rolle, indem sie Zwangshandlungen nicht unterstützen, sondern die therapeutischen Schritte begleiten.

4.5 Essstörungen – wenn Essen zur Bewältigungsstrategie wird

Essstörungen treten besonders häufig im Jugendalter auf. Sie sind mehr als eine „Phase“. Sie betreffen nicht nur das Essverhalten, sondern Selbstwert, Körperbild und Emotionsregulation.

Bei der Magersucht steht das extreme Untergewicht im Vordergrund, bei der Bulimie Essanfälle mit kompensatorischem Verhalten, bei der Binge-Eating-Störung wiederholte Essattacken ohne Gegenmaßnahmen. Essstörungen gehen oft mit erheblichen körperlichen Risiken einher.

Verhaltenstherapie zielt darauf ab, wieder ein gesundes Essverhalten aufzubauen, verzerrte Körperbilder zu korrigieren und alternative Strategien zur Emotionsregulation zu entwickeln. Die Einbindung der Familie ist essenziell.

5. Wann sollte eine Therapie in Erwägung gezogen werden?

Wenn Symptome länger anhalten, sich verstärken oder zu deutlichen Einschränkungen im Alltag führen, sollte professionelle Hilfe gesucht werden. Besonders ernst zu nehmen sind sozialer Rückzug, anhaltende Schulverweigerung, starke Stimmungseinbrüche oder Suizidgedanken.

Die kognitive Verhaltenstherapie ist bei vielen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter wissenschaftlich gut untersucht und wirksam. Sie bietet konkrete Werkzeuge, stärkt Selbstvertrauen und fördert nachhaltige Veränderungen.

Psychische Erkrankungen sind keine Erziehungsfehler. Sie sind behandelbar – und je früher Hilfe erfolgt, desto besser sind die Chancen auf eine positive Entwicklung.

6. Was Eltern konkret tun können

Eltern können viel bewirken. Nehmen Sie Gefühle ernst – auch wenn sie aus Erwachsenensicht übertrieben erscheinen. Vermeiden Sie vorschnelle Beruhigungen wie „Das ist doch nicht so schlimm“. Struktur und Verlässlichkeit geben Sicherheit. Klare Regeln helfen, ohne Härte auszuüben.

Loben Sie konkrete Anstrengungen, nicht nur Ergebnisse. Vermeidung sollte nicht unbeabsichtigt verstärkt werden – etwa indem ein ängstliches Kind dauerhaft von belastenden Situationen ferngehalten wird.

Und nicht zuletzt: Achten Sie auch auf Ihre eigenen Grenzen. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein.

Also: Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie Gefühle ernst nehmen, ohne sie zu dramatisieren. Vermeidung sollte nicht dauerhaft ermöglicht werden. Klare Strukturen geben Sicherheit. Lob sollte konkret und auf Anstrengung bezogen sein.

Gleichzeitig ist es wichtig, eigene Grenzen zu erkennen. Auch Eltern dürfen Unterstützung annehmen.

7. Die Verhaltenstherapie beginnt – worauf sollten Eltern achten?

Wenn die Entscheidung für eine Verhaltenstherapie gefallen ist und die ersten Termine stattfinden, beginnt für viele Familien eine neue Phase. Oft ist sie mit Hoffnung verbunden – manchmal aber auch mit Unsicherheit. Wie „läuft“ so eine Therapie eigentlich? Wie stark sollten Eltern eingebunden sein? Und wie wichtig ist es, die Termine wirklich konsequent wahrzunehmen?

Zunächst ist es entscheidend, sich eines klarzumachen: Eine Psychotherapie ist keine freiwillige Freizeitaktivität und kein unverbindliches Beratungsangebot. Sie ist eine medizinisch anerkannte Behandlung. So wie bei einer körperlichen Erkrankung regelmäßige Arzttermine und eine konsequente Therapie notwendig sind, gilt dies auch für psychische Störungen. Im Mittelpunkt steht jetzt die Gesundung des Kindes oder Jugendlichen. Und dieser Gesundungsprozess braucht Verlässlichkeit.

Gerade die kognitive Verhaltenstherapie lebt davon, dass neue Denk- und Verhaltensmuster wiederholt eingeübt werden. Es geht um Lernprozesse – und Lernen benötigt Kontinuität. Ungünstige Muster, die sich über Monate oder Jahre aufgebaut haben, verändern sich nicht durch einzelne Gespräche. Sie verändern sich durch wiederholte neue Erfahrungen. Durch konsequentes Üben. Durch regelmäßige therapeutische Impulse.

Deshalb ist Regelmäßigkeit kein organisatorisches Detail, sondern ein therapeutischer Wirkfaktor. Jede unnötige Unterbrechung schwächt diesen Prozess. Wenn eine Sitzung ausfällt, gerät der innere „Arbeitsfaden“ ins Stocken. Das Kind muss sich emotional erneut einstimmen. Fortschritte verzögern sich.

Das bedeutet konkret: Während einer laufenden Therapie hat die Behandlung Priorität. Ballettunterricht, Geigenstunde, Sporttraining oder andere Aktivitäten – so wertvoll sie im Alltag auch sind – müssen sich im Zweifel der Therapie unterordnen. Auch ein noch so schöner Sommertag ist kein Grund, einen Termin ausfallen zu lassen. Wer eine Psychotherapie beginnt, entscheidet sich bewusst dafür, die seelische Gesundheit des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen.

Das gilt ebenso für Ferienzeiten. Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen, Depressionen oder Zwangssymptomen kann eine längere Unterbrechung zu einem Rückfall oder zu einem Verlust therapeutischer Dynamik führen. Moderne Behandlungsstrukturen ermöglichen es heute, die Kontinuität auch während eines Urlaubs aufrechtzuerhalten. In den Fachzentren für Psychotherapie in Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen wird daher auch Videosprechstunde angeboten. So bleibt der therapeutische Kontakt bestehen, der Prozess wird nicht unterbrochen, und das Kind erlebt Verlässlichkeit – unabhängig vom Aufenthaltsort.

Neben der Regelmäßigkeit spielt die Haltung der Eltern eine entscheidende Rolle. Eltern sollten echtes Interesse an der Behandlung zeigen. Es ist wichtig, dem Kind zu signalisieren: „Wir stehen hinter dir. Wir unterstützen dich.“ Gleichzeitig braucht Psychotherapie einen geschützten Raum.

Viele Kinder und Jugendliche öffnen sich nur dann wirklich, wenn sie sicher sind, dass nicht jedes Wort anschließend zuhause berichtet werden muss. Wenn Eltern nach jeder Sitzung insistierend fragen: „Was habt ihr gemacht?“, „Worüber habt ihr gesprochen?“, „Was hat der Therapeut gesagt?“ – entsteht ungewollt Druck. Das Kind kann sich dann innerlich verpflichtet fühlen, Rechenschaft abzulegen oder Inhalte zu filtern. Das schwächt die therapeutische Beziehung.

Vertrauen ist hier zentral. Vertrauen in die Fachperson. Vertrauen in den Prozess. Vertrauen in das eigene Kind.

Das bedeutet nicht, sich völlig herauszuhalten. Eltern sind – insbesondere bei jüngeren Kindern – wichtige Partner im therapeutischen Prozess. Es wird begleitende Gespräche geben, Rückmeldungen, konkrete Handlungsempfehlungen für den Alltag. Doch der individuelle Sitzungsinhalt gehört dem Kind oder Jugendlichen.

Eine hilfreiche Haltung kann sein: Interesse zeigen, ohne Kontrolle auszuüben. Beispielsweise durch offene, unverbindliche Fragen wie: „War es heute okay für dich?“ oder „Gibt es etwas, wobei wir dich diese Woche unterstützen können?“ Das signalisiert Präsenz, ohne Druck zu erzeugen.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Eine begonnene Verhaltenstherapie ist ein ernstzunehmender Behandlungsprozess. Ihre Wirksamkeit hängt maßgeblich von Regelmäßigkeit, Kontinuität und einem geschützten therapeutischen Rahmen ab. Eltern können entscheidend dazu beitragen, indem sie der Behandlung Priorität einräumen, Unterbrechungen vermeiden und ihrem Kind zugleich Raum für eigene Entwicklung lassen.

Die Gesundung eines Kindes ist kein Nebenprojekt im Alltag. Sie ist – für eine gewisse Zeit – das zentrale Projekt. Und sie verdient diese Priorität.

8. Unterstützung in den Fachzentren für Psychotherapie in Köln, Bonn, Düsseldorf & Aachen

In den Fachzentren für Psychotherapie in Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen arbeiten approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten, die umfassend in der Behandlung von Angststörungen, Depressionen, ADHS, Zwangsstörungen, Essstörungen und weiteren psychischen Beschwerden ausgebildet sind.

Ein unverbindliches Erstgespräch kann Orientierung geben und gemeinsam klären, welche Schritte sinnvoll sind.

Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Sprechen Sie uns an!

Psychologische Testcenter

In unseren Standorten in Köln, Bonn sowie Düsseldorf verfügen wir über Testcenter für Testungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahren: Leistungsdiagnostik / Intelligenz, ADHS-Testungen, Lese-/Rechtschreibtest, Dyskalkulie (Rechenschwäche).

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